Der Volto Santo und das Abgarbild

Welche Beziehungen bestehen zwischen beiden Bildern?
Anmerkungen von Pfarrer Josef Läufer

Inhalt

I. Die frühen Zeugnisse über die Abgarlegende

1. Der Geschichtsschreiber Eusebius

2. Die spanische Pilgerin Egeria

3. Die Doctrina Addai

II. Die historische Wertung der Abgarlegende

1. Die wichtigsten Aussagen zur Historizität

2. Das Zeugnis des Eusebius und der Egeria

3. Eigene Überlegungen

III. Zusammenfassung

Anhang

Begriffserklärung


Volto Santo und Abgarbild_1

Das Bild (Gemälde auf Holz im Katharinenkloster auf dem Sinai)

zeigt den König Abgar V. und Ananias, der ihm das selbst gemalte Bild von Jesu überreicht. Der Maler kannte den Volto Santo und identifizierte ihn mit jenem Abgarbild des Ananias, wie es erstmals der Geschichtsschreiber Evagrius Scholasticus tat. Denn das Gesicht Jesu auf diesem Gemälde sieht ganz dem auf dem Schleiertuch von Manoppello ähnlich. Wie der Volto Santo vielleicht zu König Abgar und in die Stadtmauer von Edessa gelangte, s. Anhang.

Volto Santo und Abgarbild

Welche Beziehungen bestehen zwischen beiden Bildern?

Der Volto Santo von Manoppello wird meistens mit dem sog. Abgarbild (s. Bild) in Zusammenhang gebracht. Um diese Beziehung zueinander sachgerecht verstehen zu können, muss man sich die Entwicklung der sog. Abgarlegende klar machen. Hat diese Legende einen historischen Kern? Wenn ja, worin besteht er? Zur Klärung dieser Frage sollen zunächst die drei ältesten und grundlegenden schriftlichen Zeugnisse dieser Legende dargelegt werden, wie sie Dr. Martin Illert in seinem Buch "Die Abgarlegende – Das Christusbild von Edessa" 2007 dokumentiert hat (s. Illert S.102-194).

I. Die frühen Zeugnisse über die Abgarlegende

1. Der Geschichtsschreiber Eusebius

berichtet um 325 als erster von der sog. "Abgarlegende". Er zitiert in seiner Kirchengeschichte Briefe zwischen König Abgar V. (13-50 n. Chr.) und Jesus (s. M. Illert S. 105f), die er selbst in Edessa im Archiv vorgefunden und abgeschrieben habe. Gemäß dieser Briefe bittet Abgar Jesus in einem Brief, durch den Boten Ananias überbracht: "dich zu mir zu bemühen und das Leiden zu heilen, das ich habe"(s. M. Illert S. 105f). In seinem Antwortbrief lehnt Jesus diese Bitte ab und schreibt: "Wenn ich aufgenommen worden bin, werde ich dir einen meiner Jünger senden, damit er dein Leiden heilt und dir und denen, die mit dir sind, Leben gibt". Und Eusebius schreibt weiter: "Diesem Briefwechsel ist auch noch das Folgende in syrischer Sprache beigefügt: "Nachdem Jesus aufgenommen worden war, sandte Judas, (der) auch Thomas (heißt), den Apostel Thaddäus, einen der 70, zu ihm (Abgar)". Er missionierte zunächst dort und wirkte Wunder. Diese bewirkten, dass Abgar in ihm die Erfüllung des Versprechens Jesu sah. Er ließ den Apostel Thaddäus zu sich kommen. Dieser legte ihm die Hand auf und heilte ihn (vgl. Illert S. 111). Danach unterstützte Abgar seine Missionierung in Edessa und Umgebung. Und Eusebius schließt seinen Bericht darüber mit den Worten: "Seit damals hängt die ganze Stadt Edessa bis heute dem Namen Christi an und liefert so einen außerordentlichen Beweis für die Güte unseres Erlösers auch ihnen (Edessenern) gegenüber".

Anmerkung

Bemerkenswert an diesem Bericht ist:

a) dass von einem Bild Jesu noch nicht die Rede ist, sondern nur von Briefen

b) dass Abgar durch die Handauflegung des Apostels Thaddäus geheilt wurde, nicht durch ein Bild

c) dass die frühe Christianisierung von Edessa auf die Heilung und Bekehrung des Königs Abgar V. (13 – 50 n. Chr.) und die wunderbare Missionierung des Apostels Thaddaeus zurückgeht und

d) dass der Apostel Thomas nicht selbst nach Edessa ging, sondern einen von den 72 anderen Jüngern (Thaddaeus) schickte.

2. Die Berichte der spanischen Pilgerin Egeria

(s. Illert S. 121ff) sind die zweitältesten Zeugnisse über Briefe zwischen Jesus und dem König Abgar. Sie berichtet von ihrer Pilgerreise im Jahre 384:

a) dass der Bischof Eulogius (379-387) ihr alle Sehenswürdigkeiten in Edessa zeigte (z. B. das Grab des Apostels Thomas, den Palast des Königs Abgar usw.). Das "von Gott erschaffene Bild" konnte er nicht zeigen, weil es erst 544 in der Stadtmauer gefunden wurde

b) dass er ihr von einer Belagerung der Stadt Edessa erzählte (persisch-römischer Krieg von 260?), die nicht erobert werden konnte Dank der Briefe Christi (s. Illert S. 127-129), die in Edessa sehr verehrt wurden

c) dass er ihr als Abschiedsgeschenk eine Abschrift dieser Briefe zwischen Christus und König Abgar überreichte (s. Illert S. 25 und 131)

d) dass nach ihrer Auffassung der Apostel Thomas der Missionar Edessas ist (vgl. auch Thomasakten). Ob Addai und der Apostel Thaddaeus identisch sind mit dem Apostel Thomas, kann nicht klar entschieden werden. (vgl. Illert S. 26 und 121f). Dennoch ist historisch gewiss, dass schon damals (384) der Apostel Thomas große Verehrung genoss in Edessa, wo man ihm zu Ehren eine Kirche baute zur Aufbewahrung seiner Reliquien, die Egeria bei ihrer Pilgerreise im Jahre 384 besuchte (vgl. Illert S. 123f). Es brauchte also keine Abgarlegende, um "den apostolischen Ursprung des großkirchlichen edessenischen Christentums nachzuweisen", wie Bauers meint (s. Illert S. 22). Denn durch eine Legende ohne geschichtliches Faktum lässt sich eine solche Verehrung des Apostels Thomas sowieso nicht begründen. Dann hätte man in der Doctrina Addai (5. Jh.), der ersten und ausführlichsten Form der sog. Abgarlegende, den Apostel Thomas selbst und nicht den Apostel Addai, einen der 72 anderen Jünger, in Edessa wirken lassen dürfen, wie es aber Eusebius in seiner Kirchengeschichte schon schreibt (vgl. Illert S. 103).

3. Die "Doctrina Addai"

(5. Jh., s. Illert S. 12) übernimmt im Wesentlichen diese Aussagen des Eusebius und der Pilgerin Egeria. Es wird darin berichtet:

a) dass nach der Himmelfahrt Christi der Apostel Thomas (= Judas Thomas) den Addai (= einer der 72 Jünger Jesu aus Paneas) (s. Illert S. 150) nach Edessa sandte (vgl. Illert S. 136, vgl. Eusebius S. 103)

b) dass dieser dort missionierte und Wunder tat, worauf Abgar in ihm die Erfüllung des Versprechens Jesu sah und ihn zu sich holte (vgl. Eusebius)

c) dass dieser durch Handauflegung den König Abgar heilte (vgl. Illert S.137, vgl. Eusebius: s. Illert S. 111)

d) neu gegenüber Eusebius ist: dass der Bote Hannan ein Bild von Jesus malte, als er ihm den Brief von König Abgar brachte (s. Illert S. 135f). Weiß der Verfasser davon durch mündliche Tradition oder sind ältere Dokumente dazu verloren gegangen? Abgar verehrte es und stellte es in seinem Palast auf (vgl. Internet: Abgarlegende-Wikipedia S. 1).

Anmerkung
Bemerkenswert an diesem Bericht ist:

a) dass erst im 5. Jh. von einem Bild Jesu die Rede ist, das der Bote Hannan malte und zu Abgar brachte. Die Acta Thaddaei (um 630) erwähnen zum 2. Mal ein Jesusbild, das König Abgar durch den Boten Ananias von Jesus erhalten habe (Illert S. 68f u S. 245ff). Das Antlitz Jesu ist aber hier wunderbar auf einem Leinentuch abgebildet worden (Illert S. 247), als Jesus sein Gesicht damit abgetrocknet hat. Ähnliches berichtet die "Narratio de imagine edessena" (um 950) und die Epistula Abgari (1032) über die wunderbare Entstehung des Abgarbildes (vgl. Illert S. 271, S. 317). Gemäß der altrussischen Lukaslegende (12. Jh.) schickte Abgar sogar "einen Schnellschreiber (Lukas), der sich darauf verstand, Bilder zu malen, nach Jerusalem, um heimlich das Bild Jesu auf ein Tuch zu malen". Doch Jesus rief ihn und sagte: "Lukas, Lukas, du Bote Abgars, gib mir das Leinentuch, das du von Abgar bringst!" "Und Lukas … gab Jesus das Leinentuch und sogleich bat Jesus um Wasser und wusch sein reines und göttliches Angesicht mit Wasser ab. Und auf dem Leinentuch … verwandelte sich das einfache Wasser und wurde zu einem Bestandteil des Leinentuches. Da befand sich das Bild Jesu auf dem Leinentuch, so dass alle sehr erschraken. Und Jesus gab es dem Apostel Thaddäus und sandte ihn in die Stadt Edessa, wo Abgar schon sechs Jahre krank auf dem Lager lag" (vgl. Illert S. 323ff). Hier wird deutlich, wie das Bildmotiv in der Abgarlegende immer mehr ins Wunderbare gesteigert wurde. Warum, wird noch zu klären sein.

b) Bemerkenswert ist ferner nach der Doctrina Addai, dass Abgar nicht durch das Bild geheilt wurde, sondern durch Handauflegung des Addai, wie es auch Eusebius schon berichtet (vgl. Illert S. 111). Gemäß der Acta Thaddaei wird Abgar aber durch Verehrung des wunderbaren Tuchbildes geheilt (vgl. Illert S. 327). Die Epistula Abgari (1032) berichtet dazu: "Er (Abgar) fand den Schnellläufer mit seinem Begleiter, wie sie die Ikone Christi herbeibrachten. Und als sie zum Palast gekommen waren, empfing Abgar sie froh und glücklich auf der Liege liegend, stand auf, nahm das Tuch von Glauben in seine Hände und wurde auf der Stelle geheilt" (vgl. Illert S. 320f). Auch nach der altrussischen Lukaslegende (12. Jh.) erfolgte die Heilung durch das wunderbare Bild: "Als Abgar das Schweißtuch und das Bild Jesu Christi auf dem Leinentuch sah, wollte er sofort vor Freude aus dem Bett aufstehen, in dem er gelegen hatte und dann sprang er aus dem Bett auf. Er war gesund zur selben Stunde am ganzen Körper, so als wäre er niemals krank gewesen" (vgl. Illert S. 325). Hier ist eine Steigerung in der legendären Ausschmückung der Heilung des Königs Abgar festzustellen. Ob es aber dieses Jesusbild überhaupt einmal gab und ob König Abgar dadurch geheilt wurde, ist deshalb sehr fraglich. Doch darüber im folgenden Abschnitt mehr.

II. Die historische Wertung der Abgarlegende

An der Historizität der Abgarlegende wurde in der Vergangenheit schon mehrfach gezweifelt. Hier nur die wichtigsten Äußerungen dazu:

1. Die wichtigsten Aussagen zur Historizität:

Was ist von diesen Berichten über die Abgarbriefe und das sog. Abgarbild historisch wahr? Papst Gelasius (492 – 496) hielt den Briefwechsel Jesu mit König Abgar historisch nicht für echt. Er gibt aber keine Gründe dafür an (vgl. Illert S. 21). Papst Gregor II (+731) erwähnte zur Begründung der Bilderverehrung in seinem Brief an Kaiser Leon neben dem "eigenhändig geschriebenen Brief Jesu an König Abgar" auch das "nicht von Händen gemachte Bild" Christi (vgl. Illert S. 70). Erklärte er damit etwa die Abgarbriefe für echt? Als erster neuzeitlicher Philologe bezweifelte der italienische Humanist Valla (+1457) die Historizität der Abgarlegende mit der Begründung, dass außer der Abgarlegende nirgends die Heilung und Bekehrung des Königs Abgar bezeugt wird. Ferner weist er darauf hin, dass in den Briefen neutestamentliche Passagen miteinander verwoben sind. So heißt es z. B. im Brief Jesu: "Abgar, du bist selig, weil du mich nicht gesehen und doch geglaubt hast". Dies ist eine Anspielung an das Wort Jesu an den Apostel Thomas (vgl. Joh. 20, 29). Nach Bauer (1934) stammt die Abgarlegende erst aus der Zeit des Bischofs Mar Quna von Edessa (289 – 313). Begründung: Die Abgarlegende sei erfunden worden, um den apostolischen Ursprung des Christentums in Edessa nachzuweisen. Diese Auffassung wird heute von den meisten Gelehrten geteilt, wie Dr. Martin Illert schreibt (vgl. Illert S. 22).

2. Das Zeugnis des Eusebius (325) und der Egeria (384):

Die Berichte des Eusebius und der Pilgerin Egeria sind gewiss keine Legenden. Doch entscheidend für die historische Beurteilung der Abgarlegende ist die Frage: Welche Dokumente haben sie in Edessa vorgefunden? Waren es gar die Urschriften der Briefe, die inzwischen durch die Zerstörung Edessas verloren gingen? Oder waren die vorgefundenen Briefe bereits erfundene Legenden? Dazu schreibt Robert Ketelhohn im Internet unter Domus Ecclesiar S. 6, es sei durchaus glaubwürdig, dass Eusebius die gefundenen Quellen originalgetreu abgeschrieben habe. Und er fährt fort: "Nun ist Eusebs Quelle selber in diesem Fall höchst unglaubwürdig; nichtsdestotrotz bezeugt sie das Bestehen einer woher auch immer sich speisenden Edessener Lokaltradition. Man darf vielleicht annehmen, dass das Königshaus nach der Annahme des Christentums im dritten Jahrhundert versuchte, seinen Ahnherrn (Abgar V.) protochristlich zu tünchen. Dieser Versuch dürfte aber nur dann Sinn ergeben, wenn die Erinnerung an die Erstverkündigung eines Thaddaeus noch bestand, mag es nun einer der Siebzig oder einer der Zwölfe – nämlich Judas Thaddäus, wie die gnostischen Schriften nahe legen – gewesen sein". Warum Eusebs Quelle unglaubwürdig ist, wird hier leider nicht gesagt. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass Eusebius von einem Bild Jesu nichts weiß. Ebenso erzählt der Bischof Eulogius von Edessa (379 – 387) der Pilgerin Egeria bei ihrem Besuch im Jahre 384 nichts von einem Bild Jesu, wohl aber von Briefen, die in großen Ehren standen. Die erste Erwähnung eines Bildes Jesu bringt die Doctrina Addai (5. Jh. s. o.).

3. Eigene Überlegungen:

In Berücksichtigung all dieser Zeugnisse halte ich es für denkbar, dass die Briefe Abgars und seine Bekehrung historisch wahr sind, wie es die ältesten Zeugen Eusebius (325) Egeria (384) und der Geschichtsschreiber Prokop von Caesarea (vor 565) berichten (vgl. Illert S. 219ff), dass aber das Jesusbild Abgars, vor allem die wunderbare Entstehung durch Jesus legendäre Zutaten aus späterer Zeit sind. Nachfolgend möchte ich dies näher begründen:

a) Abgarbriefe gab es im 4. Jahrhundert noch in Edessa. Das wird eindeutig von Eusebius und der Pilgerin Egeria bezeugt. Die Frage ist nur: Waren diese Brief echt oder legendär erfunden? Ich sehe keinen Grund, die Abgarbriefe, die Eusebius überliefert hat, für legendär zu halten. Warum auch? Ob es noch die Originale oder nur Abschriften davon waren, die er abgeschrieben hat, muss offen bleiben. Die große Bedeutung dieser Briefe, von denen die Pilgerin Egeria berichtet, kann aber kaum von erfundenen Briefen verursacht sein! Solche Bedeutung und Verehrung muss durch historische Geschehnisse begründet sein. Die frühe Christianisierung Edessas muss ebenfalls auch ihren geschichtlichen Grund haben. Warum bezweifelt man, dass diese durch das missionarische Wirken des Apostels Addai (oder des Apostels Thomas oder Judas Thaddäus) und durch seine Wundertaten verursacht wurde, wie es auch die Doctrina Addai berichtet (s.o.)? Der Hinweis, dass keine neutralen Zeugnisse darüber vorliegen, beweist noch nichts. Dies ist bei vielen historischen Ereignissen so. Beim missionarischen Wirken der anderen Apostel geschah dies ja auch, wie die Apostelgeschichte bezeugt und wie es im Markusevangelium heißt: "Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ" (Mk 16, 20). Wer alles als legendär ansieht, was nach Wunder riecht, muss die ganze Bibel ablehnen. Es scheint aber doch viel einleuchtender anzunehmen, dass die frühe Christianisierung Edessas durch das wunderbare Wirken eines Apostels und die Bekehrung des Königs erfolgt ist, als anzunehmen, dass die vorhandenen Zeugnisse darüber (Eusebius, Egeria, Doctrina Addai) nachträglich erfunden wurden, also Legenden sind, um die erstaunlich frühe Christianisierung dieser Gegend als apostolisch auszuweisen. Das letztere wäre doch schlichtweg Lüge, eine völlig unbegründete Annahme. Sie würde das damals schon blühende Christentum in Edessa nicht erklären. Und wenn Papst Gregor II. 731 im Brief an Kaiser Leon auf einen "eigenhändig geschriebenen Brief Jesu an König Abgar" hinweist, bezeugt dies, dass man um die Existenz eines solchen Briefes wusste (s. o. II. 1.).

b) Mit dem Abgarbild verhält es sich wohl anders. Die ersten Quellen der Abgarlegende wissen davon nichts. Erstmals berichtet die Doctrina Addai im 5. Jh. davon. Woher diese Erwähnung eines Bildes rührt, scheint nicht klar zu sein. Vielleicht hat es wirklich ein solches Bild gegeben, wovon man durch mündliche Tradition wusste, die hier erstmals schriftlich festgehalten wurde. Die wunderbare Entstehung dieses Bildes, wonach Jesus sein Gesicht mit Wasser benetzte und auf ein Tuch abgedrückt habe, wird aber erst später in den Thaddäusakten erwähnt (um 630) (vgl. Illert S. 247). Es scheint, dass hier bereits eine Verwechslung oder Vermischung mit einem anderen Tuchbild Jesu vorliegt.

Der Geschichtsschreiber Evagrius Scholasticus erwähnt dieses erstmals in seiner Kirchengeschichte um 594 und berichtet dazu im Zusammenhang mit der Belagerung Edessas im Jahre 544 durch die Perser unter Chosroes: "Als sie keinen Rat mehr wussten, brachten sie das von Gott erschaffene Bild herbei, das nicht von Menschenhand gemacht wurde, sondern das Christus, unser Gott, dem Abgar schickte, als dieser ihn zu sehen begehrte" (s. Illert S. 241). Woher dieses "von Gott erschaffene Bild" kam, sagt er aber nicht. Etwa weil dies damals allgemein bekannt war? Die "Naratio Imagine edessena" (950) (s. Illerst S. 287) und die Lukaslegende (12. Jh.) (vgl. Illert S. 326) berichten aber darüber ausführlich: "Und so war es im Laufe jener Nacht, da erschien dem Bischof … eine schön gekleidete, Ehrfurcht einflößende Gestalt einer Frau, überlebensgroß, die ihm den Rat gab, das göttlich geschaffene Bild von Christus zu nehmen und mit ihm zu flehen, der Herr möge seine Wundertaten ganz kundtun. Der Bischof antwortete, er habe keine Ahnung, ob das Bild überhaupt existiere oder wenn es so wäre, ob sie oder jemand anderes es hätte. Dann sagte die Erscheinung in Gestalt einer Frau, dass ein solches Bild verborgen an der Stelle über den Stadttoren liege in einer Weise, die sie beschrieb … Der Bischof war überzeugt durch die Klarheit der Vision, die ihm erschien, und deshalb ging er bei Morgengrauen betend zu der Stelle, suchte sorg-fältig nach und fand dieses geheiligte Bild unversehrt … Außerdem fand er ein weiteres Abbild des Bildes …, das zum Glück bis jetzt sicher in Edessa erhalten blieb" (zit. n. Internet: haefely.info, christliche Ikonographie S. 2f). Woher die Verfasser dieser beiden Legenden dies wissen, sagen sie nicht. Nach dem byzantinischen Historiker Prokop von Caesarea wurden diese Bilder jedoch schon 525 bei Aufräumungsarbeiten nach einer großen Überschwemmung in der Stadtmauer von Edessa gefunden (s. Internet: Abgar – Bild S. 1). Für die Historizität dieser Bilder ist dies jedoch belanglos. Denn es gibt diese gefundenen Bilder! Sie sind keine Legende!
Das "weitere Abbild des Bildes" ist vermutlich das heutige Grabtuch von Turin, das in der Tat um 944 noch in Edessa war. (Die weitere Geschichte dieses Grabtuches finden Sie zusammengestellt im Internet unter "Grabtuch: Geschichte 2"). "Das göttlich geschaffene Bild von Christus" dürfte aber wahrscheinlich der heutige Volto Santo von Manoppello sein. Mit diesem Tuchbild verteidigte man 544 Edessa gegen die Perser, wie es Evagrius in Bezug auf den Bericht Prokops ausführlich schildert (vgl. Illert S. 66 und 241f). Man nahm vermutlich an, dass das 2. Bild ein "Abbild des (1.) Bildes" war, wie es die Formulierung in jenem Auffindungsbericht nahe legt. Wie dieses aber entstanden ist, wusste man vermutlich damals auch nicht. Und so setzte die Fantasie ein. Man dachte wohl: Wenn das gefundene Bild Jesu jetzt so wunderbar und "nicht von Menschenhand gemacht" ist, so muss auch seine Entstehung unmittelbar durch Jesus erfolgt sein. Evagrius kannte wahrscheinlich die Doctrina Addai und wusste demnach um die Erwähnung des Bildes von Jesus, das Ananias dem König Abgar brachte. Und er glaubte, dass das in der Stadtmauer gefundene Bild (samt "Abbild des Bildes") mit jenem identisch sei (s.o. II3,b). Damit hat er aber eine verhängnisvolle Verwechslung begangen und die Weiterentwicklung der Abgarlegende entscheidend beeinflusst (vgl. Illert S. 67).
Abgarbild und Edessabild haben jedoch in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun und müssen klar voneinander getrennt werden. Wenn es das Jesusbild des Ananias je einmal gegeben haben sollte, - was historisch nicht mehr zu klären ist - dann ist es schon zu Lebzeiten Jesu auf Papier oder Leinentuch gemalt worden und nicht auf Muschelseide, wie der Volto Santo. Nachdem Evagrius aber das "von Gott erschaffene Bild" von Edessa mit dem Jesusbild des Ananias identifiziert hatte (s. o. vgl. Illert S. 241), musste man dessen Entstehung auch wunderbar erklären und unmittelbar auf Jesus zurückführen, wie es erstmals in den Thaddäusakten ( um 630) legendär beschrieben wurde (vgl. Illert S. 247). Und damit war die Abgarlegende geboren: Denn darauf stützen sich wohl alle nachfolgenden Beschreibungen, ja sie ergänzen sie noch (s.o. I, 3 Anmerkung b). Damit ist die wunderbare Entstehung des Abgarbildes aber eindeutig als legendär erfunden ausgewiesen.
Weil Herr Illert hier nicht klar trennt, ist jedoch seine Schlussfolgerung falsch, als habe man das sog. Abgarbild des Ananias deshalb legendär als wunderbar entstanden aufgewertet, um die Ikonenverehrung zu legitimieren, wie er schreibt: "So wurde der göttliche Ursprung des Bildes zu einem apologetischen Leitmotiv der byzantinischen Befürworter der Bilderverehrung" (s.Illert S. 62).
In Wirklichkeit war es wohl anders. Nicht eine Legende, die ein natürliches Bild als wunderbar entstanden erklärt, hat die Ikonenverehrung begründet, sondern die Existenz dieser "nicht von Menschenhand gemachten" Tuchbilder von Edessa. So begründet der Metropolit Andreas von Kreta (660 – 740) die Bilderverehrung mit dem Hinweis auf "das verehrungswürdige Bild unseres Herrn Jesus Christus, das ein Abbild seiner körperlichen Eigentümlichkeit ist" (s. Illert S. 70). Er meint damit wohl das heutige Grabtuch von Turin. So wurden diese beiden Tuchbilder von Edessa – vermutlich wegen deren wunderbaren Wirkung – auch sehr bald in großen Ehren gehalten. Deshalb hat Kaiser Justinian bereits um 550 die Hagia Sophia in Edessa als Aufbewahrungsort dafür bauen lassen. Das syrische Preisgedicht (Sugitha), das zur Einweihung dieser Kirche in Edessa durch Bischof Amidonius verfasst wurde, erwähnt sehr wahrscheinlich dieses Tuchbild mit den Worten: "Geprägt ist der Marmor durch das Bild, das nicht von Händen (gemacht) ist". Später kam es nach Kamulia, von wo es 574 nach Konstantinopel überführt wurde. Dazu schreibt der Geschichtsschreiber Kedrenos: "Es kam das nicht von Menschenhand gemachte aus Kamulia, einem Flecken Kapadoziens" (vgl. Internet: Das Volto Santo von Manoppello S. 3). Um 700 gelangte es auf bisher geheimen Wegen von Konstantinopel nach Rom und wird von Papst Gregor II. (+731) erwähnt zur Begründung der Bilderverehrung in dem von ihm veranlassten Brief an Kaiser Leon. Er bezeichnet es darin als das "nicht von Händen gemachte Bild" Christi (vgl. Illert S. 70). Im Mittelalter wurde es als Veronika (=vera ikon= wahres Bild) Jesu verehrt. Beim Bau des Petersdomes hatte man 1506 einen der vier Pfeiler der Kuppel als Aufbewahrungsort vorgesehen. Doch als man es übertragen wollte, war es verschwunden. Prof. Heinrich Pfeiffer hat es nun wieder identifiziert in dem "Volto Santo" von Manoppello. Dort kann man es in der Klosterkirche aus nächster Nähe betrachten.

III. Zusammenfassung

Die beiden im Jahre 544 oder 525 in Edessa gefundenen "nicht von Menschenhand gemachten" Bilder haben also nichts mit dem Abgarbild zu tun. Sie sind vermutlich der heutige "Volto Santo von Manoppello" und das "Grabtuch von Turin", die beide nachweislich "nicht von Menschenhand gemacht" sind, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Wenn es das Abgarbild von Ananias gegeben haben sollte, wie es in der Doctrina Addai (5.Jh.) erstmals erwähnt wird, dann wurde es von Ananias auf Papier oder Leinentuch gemalt. Da nun Evagrius Scholasticus 594 dieses Bild mit dem Edessabild identifizierte (s. o.), hatte dies verwirrende Folgen. Weil das vorhandene Edessabild und dessen "Abbild" als ein "von Gott geschaffenes Bild" angesehen wurde, wie man damals schon offensichtlich erkannt hatte, musste das Abgarbild des Ananias auch unmittelbar von Jesus auf wunderbare Weise geschaffen worden sein. So entstand erstmals in den Thaddäusakten (um 630) die Auffassung, dass dieses Bild entstanden sei, indem Jesus sein nasses Gesicht auf ein Tuch drückte (s.o.). Doch diese wunderbare Entstehung des Abgarbides samt dessen Wunderwirkungen sind deshalb offensichtlich legendär erfunden.
Ob König Abgar je mit dem heutigen Volto Santo (oder Grabtuch von Turin) in Berührung kam und dadurch geheilt wurde, wie es das Titelbild zeigt, ist aber auch fraglich. Man sieht zwar darauf den König Abgar, wie Thaddäus (oder Ananias?) ihm das "Bild Jesu" zeigt, das dem heutigen Volto Santo von Manoppello ähnlich ist. Die "altrussische Lukaslegende" (12. Jh.) berichtet zwar ausführlich, wie Thaddäus dieses Bild zu Abgar brachte und wie es dann in die Stadtmauer kam (s. Anhang 1). Aber weil der Verfasser dieser Erzählung das wunderbare Edessabild auch mit dem Abgarbild identifiziert und dessen Entstehung legendär ausmalt, ist dieser Bericht historisch unzuverlässig. Es kann so gewesen sein, aber auch nicht. Jedenfalls kamen diese "nicht von Menschenhand gemachten Bilder" einmal dorthin.
Wie es auch konkret gewesen sein man, entscheidend ist, dass es diese einzigartigen Bilder noch gibt. Sie sind nicht legendär. Sie sind heute noch vorhanden als Grabtuch von Turin und Volto Santo von Manoppello. Sie werden seit 544 von den Gläubigen verehrt, prägten seitdem die Christusbilder und begründeten die Bilderverehrung. Denn sie sind "nicht von Menschenhand gemacht" und widersprechen deshalb nicht dem alttestamentlichen Bilderverbot (vgl. Ex. 20, 4). Christus selbst hat sie uns auf wunderbare Weise hinterlassen. Sie sind vermutlich jene beiden Tücher, die Johannes und Petrus am Ostermorgen im leeren Grab fanden (Joh. 20, 5ff). Deshalb haben sie ihre Berechtigung und Bedeutung auch heute für den einzelnen Gläubigen wie für die ganze Kirche.

Literatur: Die vorliegende Schrift stützt sich weitgehend auf die umfangreiche Dokumentation der Quellen über die Abgarlegende, die Dr. Martin Illert, Pastor an der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg, zusammengestellt hat in seinem Buch: "Die Abgar Legende – Das Christusbild von Edessa", herausgegeben 2007 im Verlag Turnhout Brepols, ISBN 978-2-503-52113-8

Anhang

1. Bericht in der altrussischen Lukaslegende

(12. Jh.) zu der Frage: Wie kam der Volto Santo und das Grabtuch von Turin nach Edessa?
"Als Abgar das Schweißtuch und das Bild Jesu Christi auf dem Leinentuch sah, … sprang er aus dem Bett auf. Er war gesund zur selben Stunde am ganzen Körper, so als wäre er niemals krank gewesen … Dann gab Abgar den Befehl, man solle dem überaus reinen und wunderbaren Tuch, auf dem das Bild Christi war, einen Ehrenplatz über dem Stadttor bereiten. So befahl er es einzurichten … Danach, nach vielen Jahren, erhielt ein Götzendiener die Macht über diese Stadt (Kaiser Caracalla um 212?). Er wollte die göttliche Ikone zerstören und an ihrer Stelle an diesem Ort den dämonischen Leib schmutziger Götzen aufstellen. Dies verstand der Bischof dieser Stadt und legte die nötige Vorsorge an den Tag … Durch Platten und Gips verbaute er von außen die Sicht auf die Ikone und gab dem Mauerwerk ein gleichmäßiges Aussehen und weil es unsichtbar war, unterblieben die gottlosen Machenschaften und der so große Schatz war für viele Jahre sozusagen unsichtbar. Danach, nach vielen Jahren, kamen die Perser zur Stadt Edessa und wollten die Stadt im Kampf erobern" (s. Illert S. 325f und S. 283ff und Bericht in der "narratio imagine edessena").

2. Die Vermutliche Chronologie der sog. Abgarlegende

29 König Abgar sendet durch Ananias Jesus einen Brief und bittet ihn, er solle kommen und ihn heilen, wie Eusebius schreibt (s. Illert S. 105). In seinem Antwortbrief verspricht ihm Jesus: "Wenn ich aufgenommen worden bin, werde ich dir einen meiner Jünger senden, damit er dein Leiden heilt und dir und denen, die mit dir sind, Leben gibt". Ananias malt ein Bild von Jesus, wie es in der Doctrina Addai heißt: "Als Hannan, der Archivar, sah, dass Jesus so zu ihm sprach, malte er kraft seiner Befähigung als königlicher Maler das Bild Jesu mit erlesenen Farben und brachte es mit sich zu König Abgar, seinem Herrn" (s. Illert S. 135f).

30 Petrus und Johannes finden am Ostermorgen (16. 04. 30) im leeren Grab das Schweißtuch und Grabtuch Jesu (Joh. 20, 5ff).

31 Der Apostel Thomas sendet Thaddäus nach Edessa, wie Eusebius berichtet: "Nachdem Jesus aufgenommen worden war, sandte Judas, (der) auch Thomas (heißt), den Apostel Thaddäus, einen der 70, zu ihm (Abgar)" (s. Illert S. 107). Dieser missionierte in Edessa, wirkte Wunder und heilte den König Abgar durch Handauflegung (s. Illert S. 111).

30-50 "Nach der Himmelfahrt Christi bewahrte die unbefleckte Jungfrau ein Bild, das auf oder über dem Grabtuch entstanden war", wie es ein Text aus Tiflis bezeugt (s. P. Badde S. 125).
Danach brachte vermutlich der Apostel Thomas die Grabtücher zu König Abgar nach Edessa, wo sie zur Sicherheit in die Stadtmauer eingemauert wurden, wie es die altrussische Lukaslegende berichtet (s.Illert S. 325f und S. 283). Ob es so oder anders war, lässt sich nicht mehr sagen. Jedenfalls kamen sie irgendwie nach Edessa.

200 Bischof Irenäus (+202) erwähnt, "…dass Christusbilder gefertigt werden und dass dies nach einem Modell geschehe, das noch zur Zeit des Pilatus in Jerusalem hergestellt worden sei" (s. Badde S. 132)

325 Der Geschichtsschreiber Eusebius findet Abgarbriefe im Archiv von Edessa und schreibt sie ab (s. Illert S. 105f). Er weiß nichts von einem Bild.

384 Egeria, eine spanische Pilgerin, berichtet über ihre Pilgerreise nach Edessa, wo der Bischof ihr zum Abschied Abschriften der Abgarbriefe schenkte, die dort in großen Ehren gehalten werden (vgl. Illert S. 120ff). Das "von Gott erschaffene" Edessabild konnte er nicht zeigen, weil es erst 544 in der Stadtmauer gefunden wurde.

430 In der "Doctrina Adda" wird erstmals ein Bild Jesu erwähnt, das der Bote Hannan (Ananias) bei seinem Besuch bei Jesus malte (vgl. Illert S. 135f).

544 Bischof Evladius findet auf Hinweis einer Frau, die ihm nachts erscheint, das "nicht von Menschenhand gemachte Bild des Erlösers" in der Stadtmauer und " …ein anderes unveränderliches Abbild des ersten Bildes, das zum Glück bis jetzt sicher in Edessa erhalten blieb" (zitiert nach Internet: haefely. info, christliche Ikonographie S. 2f; vgl. altrussische Lukaslegende 12. Jh., s. Illert S. 326f). Offenbar hielt man das 2. Tuchbild als "Abbild des ersten Bildes". Damit wäre es das Grabtuch von Turin, das bis 944 in Edessa war. Und das erste wäre der heutige Volto Santo von Manoppello.

594 Evagrius Scholasticus wusste darum und erwähnt dieses Edessabild um 594 im Zusammenhang mit der Belagerung Edessas (im Jahre 544): "Als sie keinen Rat mehr wussten, brachten sie das von Gott erschaffene Bild, das nicht von Menschenhand gemacht wurde, sondern das Christus, unser Gott, dem Abgar schickte, als dieser ihn zu sehen begehrte" (vgl. Illert S. 241). Hier wird erstmals das wunderbare Edessabild erwähnt. Aber Evagrius identifiziert es mit dem Abgarbild, das in der Doctrina Addai um 430 erwähnt wird. Und dies führte zu einer verhängnisvollen Verwirrung. Weil das vorhandene Edessabild wunderbar "nicht von Menschenhand gemacht" erscheint, muss jenes vermeintliche Abgarbild auch so entstanden sein. Mit den Grabtüchern Jesu (Joh. 20, 5ff) wurden sie nicht in Verbindung gebracht. Das war der Grund für die Entstehung der Abgarlegende.

630 In Folge davon wurde erstmals in den "Acta Taddaei" berichtet, dass das Abgarbild des Ananias auf wunderbare Weise entstanden sei, als Jesus sein feuchtes Gesicht in ein Tuch drückte (vgl. Illert S. 68f; S. 245). Damit war die Abgarlegende geboren. Und nachfolgend wird dieser Aspekt der wunderbaren Entstehung durch Jesus und die Wunderwirkung dieses Bildes immer mehr legendär ausgeschmückt in der "Narratio imagine edessena" um 950 (s. Illert S. 250f), in der "Epistula Abgari" um 1032 (s. Illert S. 312ff) und in der "altrussischen Lukaslegende" im 12. Jh. (s. Illert S. 322ff). Was von diesen Legenden historisch wahr oder erfunden ist, lässt sich vermutlich nicht mehr klären.

Begriffserklärung

Abgarbild

jenes Gemälde von Jesus, das Ananias Abgar brachte.

Edessa Bilder
jene zwei "von Gott erschaffenen Bilder", die man 544 in der Stadtmauer von Edessa fand.
Volto Santo
das Schleierbild von Manoppello, das wahrscheinlich identisch ist mit dem 1. Edessabild.
Turiner Grabtuch
vermutlich das 2. Edessabild, "Abbild des Bildes".

Pfarrer Josef Läufer